Wir brauchen eine Beziehungspause - das beschließen Paare, wenn sie glauben, es geht nicht mehr miteinander.

Ich behaupte jedoch: wenn jemand das Schwimmen lernen möchte, braucht er das entsprechende Umfeld… nämlich Wasser. Wenn jemand lernen möchte wie Beziehung geht, braucht er auch das entsprechende Umfeld…….nämlich eine Beziehung

Klar, dass bei häufigen, nervenaufreibenden Konflikten durch eine räumliche Trennung, sei es innerhalb des Hauses oder durch getrennte Wohnungen eine Entspannung spürbar wird.

Nur, was passiert dann? Es gibt zwei mögliche Entwicklungen. Die erste Variante, man trifft sich in ruhiger Atmosphäre zum Essen oder zum Sport und alle strittigen Themen werden vorsichtshalber ausgeklammert. Man spürt die Sehnsucht und je öfter man sich trifft und je besser man sich versteht, umso mehr erkennt man, dass die Trennung doch keine gute Lösung war.

Und nach einiger Zeit keimt der erste Gedanke auf: Lass uns doch wieder zusammenziehen. Aber, was hat sich geändert? Im Grunde genommen nichts. Die Konfliktthemen tauchen mit Sicherheit wieder genauso auf und die beiden können genauso wenig damit umgehen wie vorher.

Denn die Zeit dazwischen, in der sie glaubten sich so gut zu verstehen, war nicht der Alltag. Ich nenne diese Phase übrigens „Die Ruhe vor dem Sturm“. Der Sturm wütet garantiert wieder durch die gemeinsame Wohnung, sobald das erste Streitthema auf den Tisch kommt.

Es wäre nämlich angebracht, sich vorher darüber einig zu sein, wie möchten wir die Qualität unserer Beziehung gestalten? Was möchten wir ändern, was möchten wir auf jeden Fall besser machen?

Dabei ist es ganz wichtig, sich nicht über die Vergangenheit zu unterhalten, sondern über die Zukunft. Ein Liebespaar, das sich noch nicht lange kennt, schaut zuversichtlich voraus und ist überzeugt, alles gemeinsam zu meistern.

 

Ein Paar, das schon länger zusammen ist hat eine gemeinsame Vergangenheit. Und plötzlich geht der Blick nur noch zurück und dies besonders mit dem Fokus: Was hat alles nicht gepasst?

 

Meine Empfehlung:

Klammern Sie die Vergangenheit aus, was geschehen ist, können Sie ohnehin nicht mehr ändern. Klären Sie ausschließlich Zukunftsthemen.

Sagen Sie nicht, was Sie NICHT wollen, sagen Sie WAS Sie wollen und was Sie dazu beitragen können. Die Beziehung regelmäßig zu reflektieren ist übrigens eines der Geheimnisse einer glücklichen Partnerschaft.

Führen Sie die „Happy Hour“ ein, mindestens einmal in der Woche eine Stunde, die ausschließlich Ihnen beiden gehört. Jeder darf 30 Minuten nur von sich reden, der andere hört zu und unterbricht auf gar keinen Fall. Dann ist der andere Partner dran.

Zerpflücken Sie anschließend die Themen nicht, sondern denken darüber nach, was Ihrem Partner wichtig war und was er Ihnen sagen wollte. Wenn Sie das konsequent durchführen, liebevoll und verzeihend miteinander umgehen, ist eine Trennung gar nicht nötig.

Die zweite Variante der Beziehungspause ist die Entfremdung. Obwohl nicht so geplant, stellt man fest, dass es so schlimm alleine gar nicht ist. Und je länger die Pause dauert, umso größer ist die Gefahr des „Sich-Auseinander-Lebens“. Und plötzlich steht man vor den Scherben und wollte es gar nicht.

Je früher Sie mit der Rettung der Beziehung beginnen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, sie tatsächlich retten zu können. Und das geht in den allermeisten Fällen auch ohne Trennung.