Sie sei traurig, „dass wir unseren Lebenstraum gemeinsam nicht verwirklichen konnten und Florian und ich nun getrennte Wege als Paar gehen“. Er spricht von zehn wunderschönen gemeinsamen Jahren. Eine Trennung sei immer traurig, schreibt er weiter. Aber inzwischen seien sie „glücklich getrennt“. Ein Widerspruch in sich, mögen jetzt viele denken. Doch scheint diese Formulierung ein Symptom der Fischer-Silbereiseschen-Beziehung zu sein. Alles schien im grellen Scheinwerferlicht von Boulevardmedien und Bühne immer so strahlend, glücklich, perfekt. Zu perfekt, um wahr zu sein, unterstellten viele seit Langem.
Glücklich Getrennte gebe es allerdings durchaus, erklärt Paartherapeutin Sigrid Sonnenholzer im Gespräch mit FOCUS Online. „Wissen beide Partner schon länger, dass eine Trennung ansteht, kann es mitunter als positiv empfunden werden, wenn man sich endlich dazu durchringt.“ Oftmals werde die Trennung in solchen Fällen gar als Erleichterung wahrgenommen.
„Viele leben zum Beispiel seit Jahren nur noch wie in einer WG zusammen, tauschen sich über vieles aus, sind sich sehr nah – aber eben kein Liebespaar mehr“, sagt die Expertin. Die meisten führten dies fort, solange es keinen konkreten Anlass gebe, sich zu trennen. Das hält die Paartherapeutin auch im Hause Fischer-Silbereisen für wahrscheinlich. Von außen sei dies jedoch schwer zu beurteilen, zu groß seien die Vermarktungskünste des Promipaares.
Fakt ist: Fischer und Silbereisen galten als das Vorzeige-Paar der Show- und Schlagerwelt. Sie, die strahlend schöne Powerfrau, durchtrainiert, stets hart arbeitend und dabei doch immer mit einem breiten Zahnpastalächeln auf den Lippen. Er, der Lieblingsschwiegersohn der Nation, der samstagabends zur besten Sendezeit drei Stunden Gute-Laune-Harmonie in die Wohnzimmer sprühte.
Ihren ersten TV-Auftritt vor Millionenpublikum hatte Helene Fischer 2004 in der Sendung „Das Hochzeitfest der Volksmusik“. Der Gastgeber dieser Show damals hieß Florian Silbereisen. Ihm verdankt die ausgebildete Musicaldarstellerin ihren Durchbruch.
Seit 2008 waren die beiden offiziell ein Paar. Kinder oder eine Hochzeit blieben bis heute aus. Spekuliert darüber wurde quasi im Wochentakt. Nach außen wurden solche Mutmaßungen selten kommentiert, im Inneren scheint der Druck der Öffentlichkeit jedoch Spuren hinterlassen zu haben. So sei das Leben zu zweit aufgrund der ständigen Beobachtung nicht nur schön gewesen, sagt Silbereisen. „Seit Jahren schreckt man nicht einmal davor zurück, in unserer Mülltonne zu wühlen, um dort irgendetwas Privates zu finden und daraus eine Geschichte konstruieren zu können“, schreibt er auf Facebook.
Auch die Paartherapeutin hält Beziehungen, die in der Öffentlichkeit stattfinden, für schwierig. Ein normales Paar streite sich im Restaurant und niemand interessiere sich dafür. Wird allerdings ein prominentes Paar streitend abgelichtet, werde sofort eine Trennung hineininterpretiert. „Promipaare müssen ständig viel Energie dafür aufwenden, solchen Spekulationen entgegenzuwirken und zu beweisen, dass man sich wie jedes andere Paar einfach auch mal streitet, ohne sich gleich zu trennen“, erklärt Sonnenholzer.
Doch haben sich Helene Fischer und Florian Silbereisen ihre öffentliche Beziehung selbst ausgesucht, sie vielfach bewusst inszeniert. Sie trat in seinen Shows auf, er küsste sie bei ihren Konzerten und gab sich dabei medienwirksam als der bescheidene Mann im Hintergrund. Beide profitieren beruflich enorm voneinander. „Wir haben uns wunderbar ergänzt“, sagt Silbereisen. War die gesamte Beziehung vielleicht nur ein einziges PR-Konstrukt?
Von einer reinen Zweckbeziehung möchte die Paartherapeutin nicht sprechen. Möglicherweise hätten sich die beiden tatsächlich ineinander verliebt. Doch seien sowohl Fischer als auch Silbereisen Medienprofis genug, um zu wissen, was ihnen nach außen schadet – und was ihnen nützt.
Zweckbeziehungen erlebe sie in ihrer Praxis jedoch vergleichsweise häufig, erklärt Sonnenholzer weiter. Insbesondere bei Paaren ab 50. „Ich erlebe es oft, dass Paare, sobald die Kinder groß sind, feststellen, dass sie sich nichts mehr zu sagen haben, aber solange kein anderer Partner auftaucht, keinen Grund sehen, sich zu trennen.“ Zumeist sei die Situation dann nicht so schlimm, dass man gehen müsste. Glücklich sei man allerdings auch nicht mehr. Viele Paare arrangierten sich so. „Ich nenne das dann Ausharren im gemütlichen Elend“.
Der Anlass bei Helene Fischer und Florian Silbereisen war jetzt wohl ihr Luftakrobat Thomas Seidel. Der 33-jährige Diplomsportwissenschaftler gehört zur Bühnen-Crew ihrer Konzert-Tour. Er sei der neue Mann an ihrer Seite, bestätigt Fischer in ihrem Statement selbst. „Vermutlich hat ihr der neue Partner gezeigt, dass das Leben doch noch aufregender sein kann, als eine Beziehung zu einem Partner fortzuführen, mit dem man zwar seit zehn Jahren zusammen ist, aber sich auseinander gelebt hat.“ Dass sie sich überhaupt in jemand Neues verlieben konnte, sieht die Expertin dabei als eindeutiges Zeichen dafür, dass die Beziehung zu Florian schon länger nicht mehr funktionierte. „Sonst passiert sowas nicht.“
Dass die beiden öffentlich so abgeklärt mit der Trennung umgehen, überrascht die Expertin nicht. „Selbst wenn sie bereits emotional voneinander getrennt gewesen wären, wären sie in der Lage gewesen, das der Öffentlichkeit weiterhin zu verheimlichen“, ist sie sicher. Die Trennung gerade jetzt bekannt zu geben, hält sie daher auch für eine bewusste Entscheidung. So könne sich die Beziehungsexpertin gut vorstellen, dass das Paar bereits seit Längerem getrennt sei, jedoch bislang keine Notwendigkeit gesehen habe, dies bekannt zu geben. „Durch den neuen Partner hat sich die Situation jetzt geändert und man kann und will es nicht mehr länger geheim halten.“
Nach der Trennung wolle das Ex-Paar beruflich weiterhin zusammenarbeiten. Silbereisen kündigte gemeinsame TV-Projekte für die Zukunft bereits an. Die Paartherapeutin hält dies für realistisch. „Dadurch, dass sie nicht verheiratet waren und keine Kinder haben, gibt es keine großen Streitpunkte“, sagt sie. „Wenn die beiden beschließen, als Partner getrennte Wege zu gehen, können sie das weitgehend friedlich tun. Und wenn sie wissen, dass es ihnen beruflich Vorteile bringt, verbunden zu bleiben, werden sie das sicherlich tun.“
Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe der Trennung ist dabei medientechnisch klug gewählt - manche sagen, perfekt: Am 25. Dezember läuft ab 20.15 Uhr Die große Helene-Fischer-Show im ZDF. Einige zusätzliche Zuschauer, die bei der Trapez-Nummer von Helene und ihrem Neu-Freund ganz genau hinsehen werden, sind ihnen sicher.